Teil 1

Djarret kroch auf allen Vieren über den roten Teppich. Sein Herz klopfte so laut, dass er meinte man müsse es durch den ganzen Thronsaal hören. Der Weg von den goldenen Toren zum Thron war länger, als er gedacht hatte, doch die Anweisungen des Hofmeisters waren unmissverständlich gewesen. Sie zu ignorieren, bedeutete den Tod. Djarret wagte nicht zu Ceres, nein, Kaiser Ceres, aufzublicken. So sah er nur die Füße der Säulen, die links und rechts des roten Teppichs in die Höhe wuchsen und die vier Krieger, die neben und hinter ihm krabbelten. Staub stieg ihm in die Nase, aber er beherrschte sich und nieste nicht.

Djarret„Getreue! Kriecht nicht auf der Erde wie Gewürm.“ Ceres Stimme war tief und voll. Wie immer lief Djarret ein Schauer über den Rücken, als er sie hörte. Mit klopfendem Herzen folgte er den Anweisungen des Hofmeisters, der ihm und seinen Kameraden vor der Audienz das richtige Verhalten einem Kaiser gegenüber beigebracht hatte. Vor den Stufen des Throns hielt er an und hob den Blick so weit, dass er Ceres schwarze Reitstiefel im Blick hatte. Da er genau wußte, wie sein Kaiser aussah, war er nicht versucht mehr zu sehen. Ein Bein zog er vor den Körper, stellte es auf und stützte beide Hände auf das Knie, auf dem anderen hockte er.

„Groß ist unser Sieg. Das Zentrum der Macht gehört uns, Lumitana liegt uns zu Füßen. Die Hohepriesterin Durimeh lebt nicht mehr”, sagte Ceres, Herr der Dunkelkrieger, König von Lumitana und neuer Kaiser der Welten der Einen Macht. Seine Stimme hallte durch den Saal, als hätte er weit mehr als die fünf Zuhörer, die vor dem Thron am Fuße des Podests knieten. „Viele glauben, wir hätten alles erreicht, was zu erreichen ist. Doch entspricht das der Realität?”

Djarrets Herz klopfte so stark, dass er die Ansprache seines Herrn kaum verstehen konnte. Wie es die Regeln vorsahen, hielt er den Kopf demütig gesenkt. Mit einer Hand schob er eine Strähne seines schwarzen Haars zurück unter den schwarzen Lederhelm. Er schielte nach links und rechts zu den anderen Kriegern. Er war der Jüngste der Fünf, aber seine Mitstreiter wirkten genauso nervös, wie er selbst sich fühlte. Ceres hatte seine fähigsten Männer zusammengerufen und Djarret konnte kaum glauben, dass er dazugehörte.

Ceres erhob sich von seinem Thron. Seine Stimme wurde noch lauter, so als wolle sie alle anderen Geräusche aus Djarrets Ohren verdrängen.

„Wenn wir so erfolgreich waren, wo ist unsere Beute? Wo ist der Zauberstein, den wir der Insel im Nichts entreißen wollten?” Ceres sah die Männer an, die weiterhin regungslos vor ihm knieten und den Boden anstarrten. Djarret fragte sich, ob das neueste Gerücht der Hauptstadt wahr sein könne? Würde Ceres sie nach dem Zauberstein Korosadja ausschicken. Djarret hoffte es sehr. Welch besseren Beweis für seine Treue konnte er seinem Herrn bringen als den Zauberstein? Er sah zu ihm hoch.

Ceres Worte bestätigten Djarrets Verdacht. „Durimeh, das törichte Weib, suchte ihn zu vernichten. Nur durch meinen heldenhaften Kampf blieb der Stein erhalten. Doch Durimeh stürzte mit ihm in die Nebel des Vergessens!” Er legte die Hand auf seinen schwarzen, mit silbernen Nieten besetzten Brustpanzer. Schweigend sah er seine Krieger an. Djarrets Aufregung wuchs mit jedem Atemzug Ceres. Das Blut rauschte in seinen Ohren, so dass Ceres Stimme wie aus weiter Ferne zu ihm drang.

„Ihr meine Krieger, seid meine Auserwählten. Einer von euch wird Korosadja finden! Djarret von Palumâ tritt vor.”

Djarret kämpfte sich in die Höhe und stolperte vor den Thron. So nahe war er seinem Herrn noch nie gewesen. Aus der Nähe wirkte Ceres noch größer als sonst. Er überragte alle Männer, die Djarret bisher kennen gelernt hatte. Er schätzte ihn auf beinahe zwei Meter. Die weiße Stirnlocke der Kriegerkaste im sonst schwarzen, langen Haar ließ ihn älter wirken als er war. Aber das Feuer in seinen grünen Augen spiegelte sein wahres Alter. Djarret kam sich vor wie ein kleiner Junge. Er zwang sich zur Ruhe. Ceres durfte nicht merken, wie aufgeregt er war. Der Kaiser nahm eine silberne Spange von seinem Brustpanzer und heftete sie an Djarrets Panzer, direkt übers Herz.

„Jung bist du an Jahren, doch heldenhaft im Kampf. Sei von jetzt an meine Rechte Hand. Bringst du mir Korosadja, gebe ich dir Palumâ und du sollst nach eigenem Belieben darüber herrschen. Nimm dir an Männern, was du brauchst.”

Mit krächzender Stimme stammelte Djarret seinen Dank. Mit allem hatte er gerechnet, nur nicht mit einer solchen Auszeichnung. Wie betäubt wankte er zurück an seinen Platz und kniete erneut nieder.

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One response to this post.

  1. Posted by Kerstin on März 8, 2010 at 5:06 pm

    Hallo Schwesterlein…wie schön, dass du uns alle teilhaben lässt, lächel..werde die Seite hier verfolgen und wünsche dir viel Spaß beim schreiben! Auch einen lieben Gruß an die Zeichnerin- tolles Bild!
    LG,Kerstin

    Antwort

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