Teil 31

„Dann versuche ich es eben jetzt.“ Sie nahm Melissas Hand und konzentrierte sich auf den Strand der Vogel Roch Kolonie.

***

Diesmal betrat Djarret die Welt vor dem Magier. Schon wieder stand er an einem Strand. Geblendet schloss er die Augen, denn die Sonne ließ den Sand funkeln wie zahllose Diamanten. Vorsichtig sah er sich um. Der weitläufige Strand war von einer steilen, zerklüfteten Felswand umschlossen. Obwohl er menschenleer war, fühlte sich Djarret beobachtet. Er schüttelte das beklemmende Gefühl ab und fragte sich, wo wohl der Ausgang aus dem Felsenkessel sein könnte. Er suchte die Felswand mit den Augen ab.

Ein seltsamer Vogel stieß kreischend auf ihn herab. Instinktiv riss er sein Schwert heraus und schlug nach den riesigen Klauen. Der Riesenvogel stieg auf, um erneut herabzustoßen. Djarret kämpfte um sein Leben. Das erste Mal, seit er ein Kind war, hatte er Angst. Schweiß lief ihm über den Rücken und seine Knie zitterten. Immer wieder stürzte sich der Vogel auf ihn.

Djarret wird angegriffen

Djarret wird angegriffen

Wo bleiben meine Männer? Ein zweiter Vogel gesellte sich zu dem ersten Angreifer. Über einem Steilhang in der Ferne konnte Djarret eine ganze Kolonie sehen, von der immer mehr Vögel auf ihn zu flogen.

Sein Schwert wurde ihm von himmelblauen Schwingen aus der Hand geschlagen und harte Krallen bohrten sich in seine linke Schulter. Er schrie vor Schmerz und Wut. Entsetzt spürte er, wie er den Boden unter den Füßen verlor, als der Vogel flügelschlagend wieder aufstieg. Ein Schwert zischte an ihm vorbei, verfehlte sein Ohr nur knapp und prallte gegen den Zeh des Vogels. Die Klaue löste sich aus Djarrets Schulter, und er stürzte zu Boden.

Der Vogel drehte schreiend vor Schmerz ab. Blut tropfte aus einer Wunde an seinem Fuß. Mit schrillem Kreischen schossen die anderen Vögel herbei und stürzten sich auf Djarret und seine Männer. Sie prallten an einer unsichtbaren Barriere ab.

Erst jetzt bemerkte Djarret, dass er von schwarzem Leder und Metall umringt war. Seine Männer hatten ihn in die Mitte genommen. Der Magier saß mit bleichem Gesicht im Sand, die Arme dem Himmel entgegengestreckt. Djarret entspannte sich. Sein Truppführer kniete sich neben ihn und zog Verbandzeug aus der Gürteltasche. Er säuberte und bandagierte die Wunde so schnell er konnte.

„Danke, Kugarr.” Djarret wusste, dass ein freundliches Wort zur rechten Zeit die Loyalität seiner Männer steigerte.

„Wir müssen hier weg.” Der Magier keuchte. „Lange kann ich die Schutzkuppel nicht halten.”

„Dort scheint es einen Ausgang zu geben.” Kugarr zeigte auf Fußspuren, die einen sandigen Hügel hinauf aber nicht wieder hinab führten.

Djarret ließ sich von zweien seiner Männer helfen. Zwei weitere trugen den Magier auf ihren Schultern. So stapfte die Gruppe den sandigen Hang hinauf und zwängte sich durch einen schmalen Spalt in den Felsen. Erleichtert stellte Djarret fest, dass ihnen die Vögel dorthin nicht folgen konnten, weil sich die Felsen schützend über den schmalen Gang beugten. Djarret befahl dem Magier, sich um seine verletzte Schulter zu kümmern. Wenig später war die Wunde verheilt und schmerzte nur wenig. Djarret sprang auf und befahl: „Aufstellung!” Das aschfahle Gesicht seines Magiers beunruhigte ihn nicht.

Stolz betrachtete er wie sich die fünfzig Männer in schwarzem Leder formierten. Dabei fiel sein Blick auf eine Fußspur, die durch die Schlucht führte. Die Abdrücke kamen ihm klein und weiblich vor. Wir sind auf dem richtigen Weg. Er befahl den Abmarsch.

***

Melissa sah Djarret und seinen Männern nach.

„Wieso folgen sie mir?” Sie sah Lysande an und war überrascht, wie entsetzt die Hexe aussah.

„Ich habe mich geirrt. Mutter aller magischen Welten … Er ist der Schwarze Schatten.” Weinend sank Lysande auf die Knie und vergrub das Gesicht in den Händen. „Alles habe ich falsch gemacht.”

Melissa konnte sie kaum verstehen, denn Lysande wurde von Weinkrämpfen geschüttelt. Sie redete beruhigend auf die Hexe ein, drang aber nicht zu ihr durch. Schließlich gab sie ihr eine kräftige Ohrfeige.

Lysande hörte auf zu weinen und starrte Melissa an. „Ihr habt Recht mich zu schlagen, edle Frau. Ihr riskiertet Euer Leben, um meinen Neffen zu retten, und ich brachte Euch nichts als Gefahr.”

Melissa errötete. „Red keinen Quatsch. Ich habe Freunde gefunden und das ist mehr, als ich daheim hatte. Nun steh endlich auf und bring uns weg von hier.” Sie zog Lysande hoch, die erst jetzt zu bemerken schien, dass sie immer noch am Strand standen. Melissa nahm ihre Hand. „Hier war ich wirklich lange genug”, sagte sie. „Bring uns zurück ins Schloss.”

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