Teil 35

Melissas Träume folgten Ceres von Welt zu Welt. Sie hörte sein Versprechen, die Welten von Magiern, Hexen und Zauberern zu befreien. Sie sah, wie sich viele der Unterdrückten den Dunkelkriegern anschlossen und an ihrer Seite kämpften, bis die alten Herren besiegt oder tot waren. Sie sah auch, wie die Statthalter, die Ceres berief, die Menschen der besiegten Welten noch stärker ausbeuteten als die alten Fürsten und Könige.

Ceres

Ceres

In einem anderen Zelt, auf einer anderen Welt saß Ceres auf einem Diwan aus Kissen. Eine dunkelhäutige Schönheit lag an ihn gekuschelt. Sie war in ein schlichtes, weißes Gewand gekleidet. Ihre langen, dunkelbraunen Locken waren mit Edelsteinen geschmückt und an ihren Armen klingelten goldene Reifen, als sie Ceres die Weinschale aus der Hand nahm.

„Du solltest die Heimatwelt der Einen Macht erobern, Liebster. Lumitana ist voller Schätze. Du könntest Kaiser über die Welten der Einen Macht werden.“

Ceres lehnte sich in den Kissen zurück. „Ich werde der Kaiser aller Welten sein. Mir werden auch die zu Füßen liegen, die nicht durch die Tore zu erreichen sind.“

„Der Weg durch die Dunkelheit zwischen den Welten ist gefährlich.“

Ceres packte die schöne Frau am Kinn. Seine starken Finger hinterließen Blutergüsse, die auf ihrer dunklen Haut kaum zu sehen waren.

Ceres merkte es nicht einmal. „Du wirst für mich genug Magier finden, die meine Dunkelkrieger durch die Nebel des Vergessens führen, sonst …“

Eine Träne lief über die Wange der schönen Frau. „Es gibt einen Weg, für den du keine Magier brauchst.“ Ihre Stimme zitterte, aber Ceres ließ ihr Kinn los. „Die Hohepriesterin Durimeh besitzt einen magischen Stein. Niemand weiß, woher er kommt. Mit ihm kann man ohne Tore von Welt zu Welt reisen.“

Ceres Lächeln ließ Melissa das Blut in den Adern gefrieren.

***

„Hat er die Hohepriesterin angegriffen?“

Lysande nickte. „Er griff Lumitana an und legte die Hauptstadt in Schutt und Asche. Der Kaiser und seine Garde hatten keine Chance gegen seine Armee. Durimeh aber floh schwer verletzt zum letzten magischen Tor. Ceres folgte ihrer Blutspur. Er wusste, dass sie nicht mehr lange leben würde und Durimeh wusste es auch. Mit ihrem letzten Atemzug warf sie sich samt Korosadja in die Dunkelheit zwischen den Welten und verschwand in den Nebeln des Vergessens. Seither ist der Stein mal auf dieser, mal auf jener Welt aufgetaucht. Jedes Mal brachte er einen Menschen mit, der Ceres Pläne vereitelte.“

„Mit mir muss sich Korosadja geirrt haben.“ Melissa rutschte auf ihrem Sattel hin und her. „Ich wünschte, wir hätten mit dem Drachen reisen können. Er hat die ganze Strecke in einer Nacht geschafft. Es kann nicht mehr weit sein.”

„Das wird auch Zeit”, sagte Lysande und rieb sich den Hintern. Die Pferde hatten das üppige Grün des Waldes hinter sich gelassen und kletterten einen schmalen Bergpfad hinauf. Melissa hoffte sehr, dass es der richtige Pfad war. Leider waren ihnen im Wald weder Einhörner noch Sprechende Bäume begegnet, die sie hätten fragen können.

Der Hufschlag der Pferde echote von den gegenüberliegenden Wänden der Schlucht. Langsam versank die Sonne hinter den Bergen. Je höher sie stiegen, desto öfter kamen sie an Höhleneingängen vorbei. Doch keiner war groß genug für einen Drachen. Melissa wollte schon aufgeben und lagern, als sie die Höhle entdeckte, in die sie mit Leander und Reginald gegangen war. Erleichtert stieg sie von ihrem Pferd. „Wir lassen die Pferde am besten draußen. Sie würden sich vor dem Drachen nur fürchten.”

Lysande nickte nur und plumpste aus dem Sattel. Melissa, die sich auf der Reise mit den Pferden angefreundet hatte, erklärte ihnen, dass sie längere Zeit warten müssten. Sie schlug ihnen vor, in den Wald zurückzukehren und führte ihnen einen Pfiff vor, mit dem sie sie rufen würde.

„Ich glaube nicht, dass sie dich verstehen.” Lysande streckte sich und half, die beiden Pferde abzusatteln.

„Es wird schon gehen. Schließlich sind sie nicht dumm.“ Die Tiere knabberten noch einmal an Melissas Haar und trabten den Berg hinab. Müde trugen Melissa und Lysande die Sachen in die Höhle. Melissa fragte sich, ob sie die kleine Spinne und das Einhorn wohl wieder sehen würde. Sie sah sich um, doch die Höhle war leer. Sie hatten keinen Grund, auf mich zu warten. Sie spürte einen Stich der Enttäuschung.

Die Höhle hatte sich nicht groß verändert, seit sie das letzte Mal hier gewesen war. Nur eine Wand war tiefschwarz, als hätte der Drache sein Feuer an ihr ausprobiert. Warum sollte er das tun. Kein Ritter wird so weit durch den Einhornwald reiten, nur um mit einem Drachen zu kämpfen. Melissa baute sich ein Bett mit ihrem Mantel als Decke. „Am besten sehen wir uns morgen früh um. Es macht zwar keinen Unterschied, was das Licht angeht, aber ich bin hundemüde.”

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