Teil 37

„Ach daher kommen die Brandspuren am Tunneleingang.” Melissa grinste. „Ich dachte schon, es wäre etwas Schlimmes passiert.”

Während Melissa ihre Freunde begrüßte und mit ihnen herumalberte, packte Lysande die Schlafsachen erneut aus. Dann sah sie in den Topf, der überm Feuer hing. Eine Gemüsesuppe kochte darin. Sie schmeckte sie ab und rief die anderen zum Essen. Erst jetzt beachteten Reginald und der Drache die Hexe. Melissa stellte sie als ihre Freundin vor, was ein Lächeln auf Lysandes Gesicht zauberte. Reginald verneigte sich tief und verriet Melissa, dass er schon oft Salat aus Lysandes Garten stibitzt hatte.

„Das riecht lecker”, sagte der Drache und nahm sich eine große Portion der Suppe. Melissa merkte schnell, dass Lysande zwar den Drachen, aber weder Reginald noch Leander verstand. So wiederholte sie alles, was die beiden sagten. Lysande nickte ihr dankbar zu.

Nach dem Essen erklärte Melissa, warum sie gekommen waren.

„Selbstverständlich helfe ich euch gegen die Ritter”, sagte der Drache. „Das ist doch Ehrensache.”

„Ich kämpfe auch mit”, rief Leander.

Melissa schüttelte den Kopf. „Dafür bist du viel zu klein.”

„Aber ich will kämpfen.”

Der Gedanke, dass ihr kleiner Freund in den Kampf ziehen wollte, machte Melissa Angst. Sie versuchte es ihm auszureden, aber Reginald unterbrach sie. „Da deine Stärke Netze sind“, sagte er zu Leander, „könntest du eben solche fabrizieren. Würdest du sie klebrig gestalten, blieben die Ritter haften und würden am Kampf gehindert.” Leander gefiel die Idee und Melissa atmete erleichtert auf. Beim Netze knüpfen würde er nicht verletzt.

Reginald streckte sich und änderte seine Farbe zu strahlendem Weiß. „Ich werde gleich am frühen Morgen aufbrechen und meine Artgenossen informieren. Vielleicht bin ich in der Lage, einige von ihnen zu überzeugen, uns ihre Hilfe angedeihen zu lassen. Das könnte sich durchaus als günstig erweisen.”

„Und ich helfe dem Heer des Königs, so schnell wie möglich zum Schlachtfeld zu kommen”, sagte der Drache. „Wenn ihr Menschlein mich begleitet, werden mir die Ritter doch nichts tun, oder?”

„Ich werde mitkommen“, sagte Lysande. „Außerdem ist der Prinz beim Heer. Er wird ebenfalls aufpassen, dass dir nichts geschieht.” Alle Augen richteten sich auf Melissa.

„Wen werdet Ihr begleiten, holde Maid?”

„Ich weiß nicht. Ich habe das Gefühl, ich hätte etwas Wichtiges vergessen.” Sie seufzte.

Drache guckt sich Korosadja an

Drache guckt sich Korosadja an

Lysande legte ihre Hand auf Melissas Schulter. „Dank dir sind wir in der Lage, unsere Welt und Korosadja zu verteidigen.”

„Korosadja”, fragte der Drache. „Der Korosadja?”

Melissa nickte, zog den Stein aus der Tasche und zeigte ihn dem Drachen. „Weißt du, wie man ihn benutzt?”

Der Drache schüttelte den Kopf. „Nein. Aber die Sprechenden Bäume wissen es vielleicht.”

„Die Sprechenden Bäume scheinen ziemlich viel zu wissen.” Melissa steckte Korosadja wieder ein.

„Ich suche sie schon lange“, sagte Lysande. „Früher konnten Menschen mit magischem Talent für ein paar Jahre zu ihnen ziehen. Die meisten kehrten als berühmte Hexen zurück. Aber ich konnte bisher keinen einzigen Sprechenden Baum entdecken.”

Melissa sah ihre Freunde an. „Weiß denn niemand, wo sie sind?”

„Mein Rabe Lukas behauptet, er hätte in der Nähe meines Hauses welche reden hören, aber trotz intensiver Suche haben wir keinen gefunden.”

Reginald schüttelte seine Mähne und sagte: „Euer Rabe hat Recht, Lady Lysande. Als ich das letzte Mal einen Sprechenden Baum traf, war das nicht weit von Eurem Domizil entfernt.”

Noch während Melissa Reginalds Kommentar übersetzte, fasste sie einen Entschluss. „Ich werde die Sprechenden Bäume suchen. Wenn wir Korosadja benutzen können, werden wir mit Sicherheit siegen.”

„Aber Jungfrau Melissa! Ihr könnt doch nicht allein reisen. Wisst Ihr nicht, welche Gefahren im Einhornwald auf Euch lauern?”

„Ich muss die Sprechenden Bäume sowieso suchen. Sie sind die einzigen, die mich in meine Welt zurückbringen können.”

„Reginald hat Recht. Jemand muss dich begleiten”, sagte Lysande.

Melissa schüttelte den Kopf. Mit einem Mal war sie sich so sicher, als hätte ihr jemand gesagt was sie tun sollte. „Jeder von euch hat eine wichtige Aufgabe. Bitte, lasst mich mein Teil tun, bevor ich zu meinen Verwandten zurück muss. Ich bin mir sicher, dsass mir nichts passieren wird. Korosadja wird mich beschützen. Ich glaube, das hat er die ganze Zeit schon getan.”

Widerwillig stimmten die anderen zu. Um die Diskussion zu beenden, wickelte sich Melissa in ihren Mantel, wünschte den anderen eine gute Nacht und rollte sich zum Schlafen zusammen. Doch es dauerte lange bis sie tatsächlich schlief, obwohl sie von dem langen Ritt erschöpft war.

***

Aus dem Vorfall mit den Riesenvögeln hatte Djarret gelernt. Zwei Späher eilten der Truppe voran und erkundeten das Gelände. Um in der Steppe Deckung zu finden, hielten sich die Dunkelkrieger dicht an den felsigen Ausläufer, dem auch Melissa gefolgt war.

„Geh schneller”, befahl Djarret und zerrte den Magier am Arm. Der alte Mann versuchte sich zu beeilen, stolperte aber bei jedem Schritt. Schließlich befahl Djarret einem seiner Leute, den Alten zu tragen. Wie einen Mehlsack warf sich der Krieger den Magier über die Schulter.

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