Teil 40

Kugarr ging neben ihm in die Hocke. Er sprach so leise, dass nur Djarret ihn verstehen konnte. „Die Männer wollen kein Trockenfleisch mehr essen, Herr. Vielleicht sollten wir eine längere Pause einlegen und noch zwei Jäger ausschicken.”

Djarret entspannt

Djarret entspannt

„Du kennst die Regeln, Kugarr. Erst der Auftrag, dann das leibliche Wohl. Solange das Trockenfleisch nicht bis auf die Notration verbraucht ist, sind mir die Hände gebunden.”

Kugarr senkte den Kopf. Hinter ihm konnte Djarret die anderen Männer sehen, die es sich im weichen Moos unter den Bäumen gemütlich gemacht hatten. Ein Stück tiefer im Wald huschten zwei Schatten auf sie zu.

Djarret erkannte sie sofort. Er legte die Hand auf Kugarrs Schulter. „Vielleicht hatten Servan und Jagumet diesmal mehr Glück. Sieh, da kommen sie schon.” Er stand auf, und wartete auf seine Jäger. Die beiden sanken vor ihm auf die Knie.

Servan sprach zuerst. „Verzeiht, Herr. Wieder stehen wir mit leeren Händen vor Euch. Es ist wie verhext.”

Jagumet stimmte ihm zu. „Ich bin einer der besten Jäger meines Volkes und seit wir diesen Wald betreten haben, finden wir Spuren über Spuren. Trotzdem gelingt es uns nicht, auch nur ein Tier zu sehen.”

„Einhörner”, sagte der Magier, der an einem Baum in der Nähe saß. „Wenn dies ein Einhornwald ist, würde das alles erklären.”

Djarret fuhr den Magier wütend an. „Du redest nur, wenn du gefragt wirst. Ist das klar?”

Der Magier nickte. „Dann wollt Ihr nichts über das Heer wissen, das sich am Waldrand sammelt?”

Mit einem Sprung war Djarret bei ihm. Er packte ihn an den Armen und riss ihn in die Höhe. „Dreh mir nicht das Wort im Munde um, Schmarotzer. Ich kenne Deinesgleichen und habe wenig Geduld mit ihnen.” Befriedigt registrierte er, dass der Magier diesmal Angst hatte. Seine arrogante Selbstsicherheit war einem Ausdruck des Entsetzens gewichen. Es dauerte eine Weile bis Djarret begriff, dass ihn der Magier gar nicht wahrnahm. Leblos hing er in seinem Griff und sah durch ihn hindurch. Mit seltsam fremder Stimme begann er zu sprechen.

    „Fünfhundert nur,
    doch können sie gewinnen,
    helfen Drache, Einhorn, Zauberstein.
    Bleibt Djarret stur,
    wird reichlich Blut uns rinnen
    und daheim bleibt manches Weib allein.”

Djarret erkannte die Stimme seines Bruders sofort. Kervaal! Er verfolgt mich! Bestürzt ließ er den Magier los, der wie ein nasser Mehlsack zu Boden plumpste. Djarret sah Kugarr an und befahl: „Die Männer sollen ihre Waffen schärfen. Wir bekommen Arbeit.” Dann wandte er sich an seine Jäger. „Servan und Jagumet, ihr geht zum Waldrand und beobachtet die Armee.” Er beugte sich zu dem Magier hinunter, der soeben wieder zu sich kam. „Du wirst niemals wieder die Stimme meines Bruders nachmachen, oder ich bringe dich um.”

Der Magier wirkte verwirrt. „Dein Bruder?”

Djarret ignorierte den Einwurf. „Während des Kampfes wirst du all deine Kraft einsetzen, meine Männer zu schützen.” Er wandte sich von dem Magier ab und ging zu Kugarr, um mit ihm die Taktik zu besprechen. Nach einigen Schritten drehte er sich noch einmal um und sagte zu dem Magier: „Weh dir, wenn am Waldrand keine Armee auf uns wartet.”

Eine Stunde später führte Servan sie zu einer Stelle in der Nähe des Waldrandes. Jagumet wartete schon auf sie. Er verbeugte sich vor Djarret und erstattete Bericht.

„Derzeit warten dreihundert Mann, Herr. Aber aus ihren Reden konnte ich erfahren, dass weitere zweihundert nur einen halben Tagesmarsch entfernt folgen. Ein Drache hilft ihnen, Menschen und Material hin und her zu transportieren, doch Magier oder Hexen scheinen sie nicht zu haben.”

Djarrets Augen verengten sich und er verzog den Mund zu einem schiefen Grinsen. „Mit Fünfhundert werden wir leicht fertig, solange sie keine Magie einsetzen können.” Er wandte sich an seinen Magier. „Sieh zu, dass uns der Drache nicht angreifen kann. Und wenn du schon dabei bist, versuche herauszufinden, wer von den Kämpfern Korosadja hat.”

Der Magier nickte stumm und Djarret winkte seinen Männern, ihm zu folgen. Durch die Blätter der Büsche, die am Waldrand wuchsen, betrachtete er die gegnerische Armee.

Was für ein armseliger Haufen. Die wären uns nicht einmal gewachsen, wären sie doppelt so viele.

Vorige SeiteStartseiteNext Page

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: