Teil 46

„Majestät. Gestattet Ihr den Sprechenden Bäumen, Angreifer wie zum Beispiel diesen Magier aufzunehmen?”

„Äh … ja sicher … warum nicht”, stammelte der König.

Melissa schmunzelte. Vielleicht hält er dies nachher für einen Traum. Sie schickte ihn mit Korosadjas Hilfe zu seinem Heer zurück.

„Was für ein kluger Streich“, sagte die Kirsche. Die Bäume begannen, ihre Kronen in einem gleichmäßigen Rhythmus hin und her zu schaukeln. Die Füße des Magiers versanken im Boden. Arme, Finger und Hals streckten sich und setzten eine braune Rinde an. Die Haare teilten sich zu unzähligen Nadeln und wurden grün.

Der Freudenschrei des Drachen donnerte über das Schlachtfeld, als er Flammen werfend auf Djarret und seine Krieger zu stürzte, ohne von der unsichtbaren Barriere aufgehalten zu werden. Auch die Kobolde und Einhörner griffen an.

***

„Kann dieser blöde Magier den Schutzschild nicht mal für einen einzigen Kampf aufrecht halten”, brüllte Djarret und drehte sich zum Magier um. Er konnte ihn nicht entdecken. An der Stelle, an der er gesessen hatte, stand nun ein Wäldchen, das zuvor nicht dort gewesen war. Rote Haare schimmerten zwischen den Stämmen hindurch.

Die Trägerin des Korosadja! Djarret grinste und wischte sich das Blut seines letzten Gegners von der Wange. Er lief auf das Wäldchen zu, bis er die Rothaarige erkennen konnte. Sie ist fast zu hübsch, um sie zu töten. Nun ja, was muss, das muss. Bevor er weiter auf Melissa und die Sprechenden Bäume zugehen konnte, stürzte sich eine Gruppe Einhörner und Waldkobolde auf ihn.

***

Melissa bemerkte Djarret nicht. Sie beobachtete fasziniert die Verwandlung des Magiers. Er kam in dem Augenblick wieder zu sich, als Nase, Mund, Augen und Ohren verflachten und mit seinem Körper zu einem Stamm verschmolzen. Sein Entsetzensschrei erreichte die Welt nicht mehr. Nur Melissa und die Bäume hörten ihn durch das Rauschen seiner Blätter. Es hatte kaum mehr als eine Minute gedauert, den Magier in einen stattlichen Nadelbaum zu verwandeln. Melissa versuchte den Kloß im Hals herunterzuschlucken. Sie hätte nicht gedacht, dass sie Mitleid mit dem Verwandelten haben würde. Sie tröstete sich mit dem Gedanken, dass er nach drei Jahren seine ursprüngliche Gestalt wiederbekommen würde, falls er wollte.

„So, nun zu Djarret.” Sie steckte Korosadja in die Tasche zurück und verließ den Ring der Sprechenden Bäume, obwohl sie keine Ahnung hatte, wie sie mit dem Anführer der Dunkelkrieger fertig werden sollte. Sie bemerkte, dass sich die Einhörner um die Verwundeten kümmerten. Sie versetzten Feinde in einen heilsamen Schlaf, und die Wunden der Krieger König Gregors heilten sie sofort. Zahlreiche Waldkobolde behinderten die schwarzen Kämpfer, stellten ihnen ein Bein oder zupften an Rüstungsteilen. Der Drache kämpfte mit Schwanz, Krallen und Zähnen. Allerdings konnte er seine schlimmste Waffe, sein Feuer, nicht einsetzen, da er sonst die Soldaten König Gregors verletzt hätte.

Ein Stück seitlich von ihm kämpfte Prinz Victor gleich mit drei Dunkelkriegern. Blut quoll unter seinem Helm hervor, aber Melissa wusste, dass sie ihm nicht helfen konnte. Umso erfreuter war sie, als sich der Drache auf die Angreifer stürzte. Er schnappte Victor, schoss in die Höhe und peitschte nebenbei die Dunkelkrieger mit seinem Schwanz zu Boden.

Gut gemacht, dachte Melissa und sah sich nach ihren anderen Freunden um. Am Waldrand bemerkte sie Lysande, die mit Pfeil und Bogen kämpfte.

***

Mit Ruhe und viel Geschick schoss Lysande einen Gegner nach dem anderen kampfunfähig. Sie nahm sich die Zeit, Melissa zu winken, strich sich eine störende Haarsträhne aus den Augen und zielte erneut.

Lysande kämpft

Lysande kämpft


Sie hatte bemerkt, dass ein Krieger Reginald angriff. Der Hengst parierte die Schwertschläge geschickt mit seinem Horn. Lysande legte an, zielte und ließ den Pfeil fliegen. Sie sah nicht hin, ob sie getroffen hatte, sondern zog den nächsten Pfeil aus ihrem Köcher. „Melissa ist jetzt da. Du kannst loslegen, Leander”, sagte sie.

***

Die Spinne, die auf einem Ast über ihrem Kopf gewartet hatte, schwang sich an einem langen Faden ins Kampfgetümmel. Mit ihr sprangen Millionen Spinnen von normaler Größe an seidenen Fäden aus dem Gebüsch. Leander klickte seine Befehle, und bald kämpften sich Freund und Feind durch klebrige Spinnenseide. Leander hüpfte über die Köpfe der Kämpfenden, bis er Reginald erreicht hatte. „Bring mich zu Melissa”, rief er dem Einhorn ins Ohr.

Reginald trabte los, so gut es ging. Zum Glück behinderte die Spinnenseide nicht nur sein Vorwärtskommen, sondern auch die schwarzen Kämpfer. Reginald war es gewohnt, sich in unwegsamem Gelände zu bewegen und so hatte er die Gruppe Sprechender Bäume bald erreicht. Melissas rotes Haar leuchtete nur wenige Schritte von ihm und Leander entfernt durch die Spinnenseide. Einen Schritt hinter ihr stand mit erhobenem Schwert ein Krieger in Schwarz. Es war Djarret.

„Melissa, Achtung!” Reginald preschte los.

Melissa drehte sich.

Das Schwert sauste herab.

Zeitgleich schlug Reginald gegen Djarret und das Schwert gegen Melissa.

***

Djarret knurrte wütend und schwang sein Schwert herum. Entsetzt musste Melissa zusehen, wie er mit einer einzigen, flüssigen Bewegung Reginalds Bauch aufschlitzte. Hektisch zerrte sie an der Schnalle ihrer Gürteltasche. Als Djarret das Schwert hob, um Reginald zu töten, zog Melissa Korosadja hervor.

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