Teil 47

„Bring Reginald zu den Einhörnern am Waldrand”, sagte sie. Das Einhorn verschwand.

Djarret reagierte schneller, als sie es für möglich gehalten hatte. Er warf das Schwert in die linke Hand, fuhr herum und packte Korosadja. Bevor es sich Melissa versah, waren ihre Hände leer, und Djarrets Klinge schoss auf ihre rechte Hüfte zu. Es schlug ein, und brennender Schmerz zuckte durch ihre Seite. Ich habe versagt! Sie sank in die Knie.

In diesem Moment warf sich Leander auf Djarret. Die Spinne sprang ihm direkt ins Gesicht und verklebte ihm Augen, Nase und Mund mit Spinnenseide. Djarret packte Leander und schmetterte ihn auf den Boden. Dabei entriss ihm Leander den Zauberstein. So schnell er konnte, rannte er auf Melissa zu. Er konnte sie gut erkennen, denn sie lag nur einen Schritt von ihm entfernt auf dem Boden. Trotz der eingeschränkten Sicht war Djarret schnell. Sein Schwert schlug zwei von Leanders Hinterbeinen ab. Mit einem Schmerzschrei ließ Leander Korosadja los. Djarret lachte und es klang heiser, aber siegesgewiss. Als er sich vorbeugte, um Korosadja erneut aufzuheben, schnappte sich Melissa den Stein.

„Bring Leander und mich zu den Einhörnern“. Sie hörte Djarrets enttäuschten Schrei nicht mehr. Leander und sie lagen neben Reginald im Gras. Eine Einhornstute beugte sich über Leander. Melissa sah, wie goldenes Licht aus ihrem Horn tropfte. Die Wunden schlossen sich, aber Leanders Beine wuchsen nicht nach. Als er Melissas trauriges Gesicht sah, sagte er: „Hey, ich habe immer noch sechs übrig.”

Erstaunt stellte Melissa fest, dass sie selbst bis auf einen Bluterguss unverletzt geblieben war. Da sie gesehen hatte, wie scharf Djarrets Schwert war, konnte sie nur der Mantel gerettet haben. Dankbar strich sie über das Gewebe. Dabei hatte sie das Gefühl, der Mantel würde sich noch weicher an sie schmiegen.

„Hexe von der Erde!” Da die Kämpfe wegen der Spinnenseide fast zum Erliegen gekommen waren, übertönte Djarrets Stimme den Lärm leicht. „Trägerin des Korosadja!”

Melissa stand langsam auf. Sie atmete schwer, denn ihre rechte Seite schmerzte noch immer. Sie sah, dass Djarret etwas in die Höhe hielt. „Was willst du?”

„Gib mir den Zauberstein, dann bekommst du deine Tante wieder.”

Melissa erkannte den Siebenschläfer, in den sein Magier ihre Tante verwandelt hatte. Wut durchflutete sie wie Feuer. Sie steckte ihre Hände in die Taschen und versuchte sich zu beherrschen. Zu gerne hätte sie Djarret wehgetan, aber sie wusste, dass sie in einem Kampf keine Chance hatte.

Die Finger ihrer rechten Hand umschlossen Korosadja, der langsam immer wärmer wurde. Von ihm strömte Energie in Melissas Körper und breitete sich unaufhaltsam aus. Sie wusste, dass sie Djarret mit Korosadjas Energie töten könnte. Ich bin keine Mörderin. Es muss einen anderen Weg geben. Sie fühlte sich, als stünde sie in einem elektrischen Feld. Ihre Haare stellten sich auf, und ihre Hände kribbelten mit jedem Moment stärker. Melissa erinnerte sich, dass Lysande sie mit einer Berührung in ihre Vision gezerrt hatte, und die Kirsche hatte ihr gezeigt wie man das sah, was man sehen wollte. Wenn ich dicht genug an ihn herankomme, ohne getötet zu werden, hilft mir Korosadja vielleicht, Djarrets Bewusstsein in einer Vision einzusperren.

Nutze Greenwitchs Stärke. Mit Korosadjas Worten tauchte Wissen aus den Tiefen ihres Unterbewusstseins auf, als hätte der Zauberstein eine Tür geöffnet. Es war, als hätte er auf diesen Moment gewartet, um ihr das verborgene Wissen zu enthüllen.

In ihren Gedanken hörte sie wieder die Stimme der Kirsche. „Wenn Menschen die Magie des Landes am eigenen Leib erfahren, können sie sie kontrollieren.” Zögernd öffnete sie Greenwitch ihre Gedanken, und Magie ließ ihre Nerven vibrieren wie eine starke Spannung. Es erinnerte Melissa an das Kribbeln, das sie seit ihrer Ankunft in Greenwitch in den Fingern gespürt hatte, nur viel stärker. Sie wusste, dass sie damit alles tun konnte, alles was sie wollte.

Melissa zeigte auf den Anführer der Dunkelkrieger, und Djarret erstarrte. Gleichzeitig veränderte der Siebenschläfer seine Form und wurde wieder zu Freya. Melissa fühlte sich großartig. Sie ließ ihre Tante durch die Luft zu sich herüberschweben. Ihr Herz sang, weil sie sich so wohl fühlte wie nie zuvor in ihrem Leben. Sie wandte ihre Aufmerksamkeit der Erde zu, und Efeuranken schossen heraus. Sie wickelten sich um die Dunkelkrieger, die noch nicht schlafend am Boden lagen.

Lysande sprach aus, was Melissa soeben klar geworden war. „Du bist ja doch eine Hexe!”

„Und was für eine. So etwas habe ich schon einige hundert Jahre nicht mehr gesehen”, sagte der Drache.

Melissa stellt sich Djarret

Melissa stellt sich Djarret

Melissa lachte. In der Stille, die über dem Schlachtfeld lag, klang es wie der erste Vogel an einem sonnigen Morgen. Sie umarmte ihre Tante, die sie verwirrt ansah. „Liebe Tante Freya. Ich war ja so ein Biest. Sei so gut und gedulde dich noch ein Weilchen, dann erkläre ich dir alles. Ich muss vorher noch etwas erledigen.” Sie schritt über das Schlachtfeld vorbei an Männern, die vergeblich gegen Efeuranken kämpften.

Als sie Djarret erreicht hatte, legte sie ihm die linke Hand an die Wange. Ihre Stimme klang sanft. „Warum tust du so etwas? Warum bekämpfst du nicht Ceres mit all deinem Hass?” Djarret konnte nicht antworten, aber seine Augen wirkten so verzweifelt und wütend, dass Melissa eine Träne über die Wange rann.

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